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für Quereinsteiger
     
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Dorotheenstädtischer Kirchhof   in Berlin-Mitte
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Begräbnisplatz für die Friedrich-Werdersche
und
Dorotheenstädtische Gemeinde


Der Eingang zu diesem 1763 angelegten, wegen seiner kunst- und
kulturgeschichtlichen Bedeutung
höchst interessanten Friedhof,
ist sehr schlicht und unscheinbar.
Er befindet sich in Berlin-Mitte, Chausseestraße 126,
Nähe U-Bahnhof Naturkundemuseum, Linie 6, (früher Zinnowitzer Straße).
Wer diese Adresse nicht kennt, läuft an einem Kirchhof  vorbei,
der besondere Beachtung verdient.

Nirgendwo sonst finden sich so viele Gräber von

Dichtern (Fontane, Brecht und Heiner Müller),
Baumeister (Schinkel, Stüler, Strack und Cantian),
Bildhauer (Schadow und Rauch)
Philosophen (Hegel und Fichte),
Mediziner (Hufeland und Brugsch),
Industrieller (Borsig, Litfass und Schwartzkopf),
Schauspieler (Langhoff und Weigel)

und Politikern,
die das geistige Leben in Berlin und Preußen bzw. Deutschland
geprägt haben, oder gar darüber hinaus wichtig gewesen sind.

Die Gräber erinnern an über zwei Jahrhunderte Geistesleben in deutschen Landen.



Johannes Rau - Grabstelle auf dem Dorotheenstädtischen Kirchhof  in Berlin-Mitte
(Foto: 04.02.2008)
Als Politiker hier zuletzt beigesetzt,  Johannes Rau, * 16. Jan. 1931; + 27. Jan. 2006.

Der SPD-Politiker stellte von 1999 bis 2004 den
8. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Dieses Amt begleitete er als der zweite sozialdemokratische Politiker.
Davor vollzog Rau eine lange landespolitische Karriere, in der er 20 Jahre lang
Ministerpräsident des Landes Nordrein-Westfahlen war.
Große humane Anerkennung erfuhr das Staatsoberhaupt durch seine
Friedenspolitik mit Israel,
die er unter dem Gedanken "Aussöhnung statt Spaltung" führte.



Auf dem Friedhof befindet sich aber auch die
Gedenkstätte für Tote des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.
Hier ruhen, gemeinsam mit anderen Toten der letzten Kriegstage des II. Weltkrieges,
eine Reihe von Männern des antifaschistischen Widerstandes:

Gedenkstaette des Widerstandes gegen Nationalsozialismus

Klaus Bonhoeffer, Hans John, Richard Kuenzer, Carl Adolf Marks,
Wilhelm von Nieden, Friedrich Justus Perels, Rüdiger Schleicher,
Hans Ludwig Sierks.


Wegen ihrer Beteiligung am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 waren sie im
Gefängnis der Lehrter Straße inhaftiert.
In der Nacht vom 22. zum 23. April 1945 wurden sie von einem SS-Kommando
in einer nahe gelegenen Parkanlage hinterrücks erschossen.
Im Sommer 1945 fand an diesem Gemeinschaftsgrab ein erster
Gedenkgottesdienst für die Ermordeten statt.


Die Dorotheenstädtische Kirche an der Ecke Dorotheen- und Neustädtische
Kirchstraße, einst 1678-87 als erste protestantische Kirche in der Mark Brandenburg
erbaut, ist ganz dem II. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Das Lutherdenkmal, das den Platz vor der Friedhofskapelle beherrscht, ist eine Kopie
des Schadowschen Lutherdenkmals vom Wittenberger Marktplatz, 1909 von
Ernst Wagner gefertigt, eines der wenigen Erinnerungsstücke aus diesem Kirchengebäude.
               
Lutherdenkmal

Dass dies die Ruhestätte vieler aus der Geschichte der Stadt und des Landes bekannter
Persönlichkeiten ist, geht keineswegs auf bewusste Planung zurück.
Vielmehr befanden sich auf dem Gebiet der beiden Träger-Gemeinden Regierungsgebäude und
Universität, Akademien und Theater und folglich auch viele Wohnungen von dort Beschäftigten.
Deshalb war es für viele Berühmtheiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst "ihr"
Friedhof, und es war nahe liegend, dass sie hier auch beigesetzt wurden.

Zu allen Zeiten ist es jedoch zugleich und vor allem ein Friedhof für die
vielen gebliebenen, die weder Rang noch Ruhm besaßen.


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Nachfolgend nur einige wenige Fotos der Grabmäler von Berühmtheiten, die auch
teilweise auf meinen anderen Webseiten ( sh. Archiv ) als Baumeister, Künstler und
Wissenschaftler erwähnt werden.





Ehrengrab Karl Friedrich Schinkel
Das Ehrengrab von Karl Friedrich Schinkel, *1781 / +1841.
Dieses Denkmal, ein Obelisk mit dem Porträt des Künstlers, wurde von ihm selbst geschaffen.

Studium an der Bauakademie in Berlin. Auf der Italienreise 1803-05 entwickelte sich Schinkel
auch zum Architektur- und Landschaftsmaler.
Seit 1810 Oberbauassessor, 1815 Geheimer Rat und damit oberster Baubeamter in Preußen,
1820 Professor an der Akademie der Künste.
Mit der Neuen Wache, dem Schauspielhaus, der Friedrichwerderschen Kirche,
der Schlossbrücke und dem Alten Museum prägte er den Charakter des Berliner Zentrums und
des Berliner Klassizismus.
Schinkel gilt als der bedeutendste deutsche Architekt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Weitere Zeugnisse sind die Schlösser:   Charlottenhof im Park von Sanssouci/Potsdam,
Glienicke, Babelsberg, die Bauakademie, sowie Entwürfe für weitere Kirchenbauten.





Ehrengrab Wilhelm Beuth
Das Ehrengrab von Christian Peter Wilhelm Beuth, *1781 / +1853

Studium der Rechtswissenschaften. Begann als Referendar im Preußischen Staatsdienst
und stieg bis zum Direktor der Abteilung für Handel, Gewerbe und Bauwesen im
preußischen Innen- bzw. Finanzministerium auf; Mitglied des Staatsrates, Gründer der
Technischen Gewerbeschule, des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in  Preußen
und des Vereins für Kunstfreunde im preußischen Staat.

Er gilt als "Vater der preußischen Industrie".





Grabmäler Rauch-Stüler-Borsig
Nebeneinander, von links:  Grabmäler von
Christian Daniel Rauch, Friedrich August Stüler und August Borsig.




Ehrengrab Daniel Rauch
Das Ehrengrab von Christian Daniel Rauch, *1777 / +1857.
Ein betender Engel schmückt oben seinen Denkstein, auf welchem
sich vorn das Medaillonbild des Künstlers befindet.

Schüler Schadows; erhielt mit seiner 1815 im Charlottenburger Mausoleum aufgestellten Plastik,
Grabmal der Königin Luise, auf dem Sarkophag ruhend, höchste Anerkennung ;
bereits im folgenden Jahr erhielt er den Auftrag, Büsten für die Denkmäler der Feldherrn
Graf Bülow von Dannewitz und Scharnhorst herzustellen, die bis 1822 in Marmor ausgeführt wurden.
1819 wurde er zum Professor der Akademie berufen und richtete in Berlin seine eigene Werkstatt ein.
In den folgenden Jahrzehnten schuf er eine Reihe bedeutender Werke, darunter das 1851 aufgestellte
Reiterstandbild Friedrich II. Es gilt als die bedeutendste Berliner Großplastik des 19. Jahrhunderts.




Ehrengrab August Stüler
Das Ehrengrab von Friedrich August Stüler, *1800 / +1865

Studium an der Universität, der Bauakademie und der Kunstakademie in Berlin;
1827 Mitarbeiter Schinkels; stieg vom Hofbauinspektor (ab 1829) zum alleinigen
Bauberater und Architekten des Königs
Friedrich Wilhelm IV. auf;
bis Mitte des Jahrhunderts führender Architekt der Preußischen Bauschule.
Zu seinen Werken zählen die Königsberger Universität, die Akademie der Wissenschaften
in Budapest
, in Berlin die Stüler Bauten (ehemalige Kasernen) von 1850 vor dem
Charlottenburger Schloss, das Neue Museum, die Nationalgalerie (Bauausführung durch Strack),
die Innengestaltung der Neuen Synagoge, die Matthäus- und die Bartholomäuskirche.

Das Original der Grabanlage wurde im II. Weltkrieg zerstört und 1998
durch eine moderne Gestaltung von Röhl/Skuin und Wloch ersetzt.




Grabmal August Borsig
Das Grabmal von August Borsig, *1804 / +1854, dem Begründer der großen Maschinenfabrik.

Siehe auch im Archiv :   August Borsig und seine Berliner Traditionsfirma


Das von einem prunkvollen niedrigen Eisengitter eingefasste Denkmal besteht aus einem hohen
tempelartigen Baldachin auf vier dorischen Säulen.
Entworfen 1857 von J. H. Strack.
Die Büste von August Borsig schuf  1855 C. D. Rauch.
Links neben der Büste stand eine inzwischen gestohlene und bisher nicht wiederentdeckte Knabenfigur.
Sie sollte Borsigs Sohn Albert darstellen.
Davor ein Genius (Schutzgeist im römischen Altertum), der ein Medaillon der Ehefrau Luise Borsig,
geb. Praschl (*1806 / +1887), hält.

Mit seinen Erfindungen und Entwicklungen auf dem Gebiet des Dampfmaschinen- und
allgemeinen Maschinenbaus
und als Unternehmer gilt Borsig als der Wegbereiter des
deutschen
Eisenbahnwesens. Der spätere "Lokomotivenkönig" entwickelte aus einer
kleinen Schlosserwerkstatt die Borsigsche Eisengießerei u. Maschinenfabrik, die erste
moderne Fabrik Berlins
.

Die Maschinenbauanstalt von August Borsig baute aber nicht nur Lokomotiven und
Dampfmaschinen, sondern ermöglichte u. a. auch die Wasserspiele im Park Sanssouci
(Rohrleitungen), baute hierfür die Dampfmasch./Pumpe im Maschinenhaus/Moschee,
außerdem die Kuppel der Nikolaikirche in Potsdam sowie die Kuppel der Kapelle
im ehemaligen Berliner Stadtschloss und Eisen-Dachkonstruktionen im
Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel, etc.

1908 baute das Unternehmen für den alten Berliner Sportpalast,
auch die erste Kunsteisbahn der Welt !

Eine Brücke, zwei Straßen, ein Bahnhof, ein Binnen-Hafen und ein Wohngebiet in
Berlin-Reinickendorf tragen seinen Namen.




Grabmal Gottfried Schadow
Das Grabmal von Johann Gottfried Schadow, *1764 / +1850

1776 Ausbildung in der Werkstatt des preußischen Hofbildhauers Tessaert;
ab 1788 Leitung der Hofbildhauerwerkstatt; 1790 Grabmal des Grafen von der Mark,
Mitglied der Berliner Akademie, ab 1805 Rektor der Akademie, 1816 Direktor der
Königlichen Akademie der Künste zu Preußen; Wegbereiter des Klassizismus in Preußen.

Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Quadriga für das Berliner Brandenburger Tor,
die Standbilder für Hans Joachim Zieten und den Fürsten Leopold von Anhalt Dessau,
sowie das Grabmal des Grafen Alexander von der Mark (heute in der Alten Nationalgalerie).

Das Lutherstandbild auf dem Kapellenvorplatz des Friedhofs ist eine Kopie nach Schadows
Lutherdenkmal auf dem Marktplatz in Wittenberg.




Familiengrabmal Eduard Hoffmann
Das auffälligste Familiengrabmal auf dem Friedhof, mit Mosaiksteinen
ausgelegt, ist das von Friedrich Eduard Hoffmann, *1818 / +1900.

Erfolgreicher Unternehmer der Ziegel- und Keramikindustrie; Erfinder der Ringbrennöfen
mit zentraler Feuerung.
Hoffmann war als Regierungsbaumeister beim Bau und Betrieb der Berlin-Hamburger Bahn tätig.
Er gründete 1865 einen Verein für seine Berufskollegen und war Mitherausgeber der
Deutschen Töpfer- und Zieglerzeitung, die ab 1868 erschien. Er veranlasste 1870 die Gründung der
Königlichen Prüfanstalt für Baumaterialien.

Das in Farbe und Material auffallende Grabmal wurde in einem schlesischen Zweigwerk
des Hoffmannschen Unternehmens ausgeführt.




Grabanlage Elisabeth Wentzel
Hier die Grabanlage von Elisabeth Wentzel, *1833 / +1914

Sie war die Stifterin bedeutender Geld-Summen für Kunst und Wissenschaft;
Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften, wo sie bis 1934 die einzige Frau war.




Grabanlage Alexander Wentzel
Als letztes, meiner wenigen Fotos von dem geschichtsträchtigen Dorotheenstädtischen Kirchhof,
die aufwendige Grabanlage von Herrmann Heinrich Alexander Wentzel, *1820 / +1899

Er war Baurat und Maurermeister sowie Inhaber eines großen Bauunternehmens.
Er arbeitete eng mit Friedrich August Stüler zusammen.
Die Grabanlage wurde von ihm selbst entworfen.

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Die o. a. Beschreibungen stammen aus dem Friedhofsführer:
Dorotheenstädtischer Kirchhof - vom Luisenstädtischen Bildungsverein e.V.
und dem Buch:
Der Dorotheenstädtische Friedhof - vom Christoph Links Verlag (1993)
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