| Kampf um die Arbeitsplätze |
Hinweis zur Fa. Bergmann-Borsig |
|
|
Alte BORSIG GmbH in Berlin-Tegel, Bezirk Reinickendorf. Borsig war und ist einer der großen Namen der Berliner Industriegeschichte. Weltweit heute noch für Qualitätsarbeit und know-how bekannt, war und ist alleine die mögliche Namensübernahme, auch für die ehemalige "Mutterfirma" Deutsche Babcock AG und deren damals angeschlossenen Tochterfirmen, durch den Bekanntheitsgrad ein Imagegewinn. Das Traditionsunternehmen BORSIG gehörte vor Jahrzehnten zu den größten (West-)Berliner Arbeitgebern in der Industrie - 1960 noch ca. 6.000 Mitarbeiter - bis Sept. 2002 wurde das Werk auf 258 Mitarbeiter - inkl. Betriebsstätte Gladbeck - geschrumpft. Nach der Insolvenz 2002 waren mit der Beteiligungsgesellschaft "capiton AG", im kleinen Restunternehmen der "neuen" Fa. Borsig wieder ca. 460 Mitarbeiter beschäftigt. (Stand Februar 2008). Im März 2008 wurde der letzte Teil der Firma BORSIG von der "capiton AG" verkauft und bekam wieder mal einen neuen Besitzer, die "KNM" - einen malaysischen Energiedienstleister. http://www.knm-group.com ***************************************************************************************************** Damit ist die Firma Borsig (Restunternehmen) seit 171 Jahren (Juli 1837-2008) nicht mehr in deutscher Hand. ***************************************************************************************************** ![]() Fotomontage (22. Juli 2002) Das historische BORSIG-Tor, des alten ehemaligen Werksgeländes von August Borsig - ab 1898 - Borsigerben - in der Berliner Str. 27 und das neue Werkstor der traditionsreichen, über 170 Jahre (22. Juli 2007) alten Berliner Apparate- (Maschinen- und Kesselbau) Firma. Spätestens mit der Ansiedlung der Borsigwerke 1895-98 wurde Tegel zum bedeutenden Industriestandort. Mehrere tausend Arbeiter und Angestellte strömten täglich durch das heute denkmalgeschützte neugotische Eingangstor. ![]() Das denkmalgeschützte BORSIG-Tor in der Berliner Str. 27, wurde nach Plänen der Architekten K. Reimer und F. Körte 1898 fertiggestellt. Die Torwächter in den Nischen der neugotischen Türme sind Kopien; sie stellen einen Schmied und Eisengießer dar. Die originalen Zinkholguß-Figuren wurden 1853 von den Bildhauern Gustav Seidel und Louis Köppen geschaffen und stehen jetzt im Rathaus Berlin-Reinickendorf. Heute ist das Tor die Durchfahrt zum modernen Einkaufszentrum - in den ehrwürdigen BORSIG-Hallen - bzw. zu Firmen, die sich auf dem ehemaligen BORSIG-Gelände etabliert haben. Dieses Areal, ca. 2/3 des alten Betriebsgeländes der Fa. Borsig GmbH, wurde damals vom "Mutterkonzern", der Deutschen Babcock AG, an den Berliner Senat veräußert. Wo einst Tausende von Arbeitern schwere Lokomotiven, Dampfmaschinen, Dampfturbinen, Kolbenkompressoren, Schiffsdieselmotoren und Kessel für Kraftwerke bauten, kaufen heute Menschen aus dem gesamten Berliner Norden und dem Umland in den Hallen am Borsigturm ein. ***************************************************************************************************** Deutlich sichtbares Zeichen des Erfolges und des Firmenprestiges war in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das erste Berliner Hochhaus, der BORSIGTURM. Im Hintergrund des Tores steht das ehem. Hauptverwaltungsgebäude der Firma A. Borsig. Mit einer Grundfläche von 20 mal 16 Meter, einer Höhe von 65 Metern und 12 Stockwerken, war es der erste Industrie-Hochbau in Berlin. Die beengten Platzverhältnisse auf dem Werksgelände sollen den Anstoß zum Turmbau gegeben haben. Der Turm entstand als Stahlskelettbau, dessen Fassaden aus Backstein gemauert sind. Unter Beteiligung des Architekten E. G. Schmohl (auch Erbauer des Ullsteinhauses in Tempelhof), wurde im September 1922 der BORSIGTURM durch die eigene Bauabteilung der Fa. A. Borsig begonnen und im Frühjahr 1924 abgeschlossen. Im Turm waren die Räume der Betriebsdirektion, Konferenzzimmer, Betriebskalkulation, Maschinen- und Betriebsabteilung, Betriebsbuchhaltung und Vortragssaal untergebracht. Die heute noch vorhandenen Logistikanschlüsse auf diesem, früher 2/3 größeren (22,4 Hektar), Werksgelände am Tegeler See: Flughafen-Tegel, fast auf dem
Werksgelände (5 km Entfernung - ca. 8 min Fahrzeit).
Die heutige Werkseinfahrt ist auch der Zugang für die Firma |
||
![]() |
|||||||||||||||||||
| Das Borsighaus in Berlin-Mitte, heute Chausseestraße 13
(vormals Nr. 6). 1899 ebenfalls von den Architekten Reimer und Körte erbaute ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma August Borsig. Das Gebäude der ehemaligen Borsig-Hauptverwaltung mit seiner Sandsteinfassade im Stil der Neorenaissance steht heute noch in der Häuserfront der Chausseestraße und erinnert eher an eine individuell gestaltete repräsentative Stadtvilla. An der Straßenfront des Gebäudes, über dem Haupteingang des ehemaligen Zentralbüros, wurde auf einer Konsole unter einem kupfernen Baldachin, eine lebensgroße Bronzefigur eines Schmiedes von dem Berliner Bildhauer Gotthold Riegelmann angebracht. Er soll die Bedeutung des Handwerks symbolisieren. Darunter finden sich die Initialen A. B. In dem Gebäude verblieb nach 1937 nur noch die A. Borsig'sche Vermögensverwaltung, wo sie auch nach dem II. Weltkrieg bis zum Ende der fünfziger Jahre in Ost-Berlin ihren Sitz hatte. Darauf übersiedelte sie nach West-Berlin und stellte 1981 endgültig ihre Tätigkeit ein. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde das Borsighaus vom Versorgungswerk der Zahnärztekammer als Anlageobjekt erworben und ab 2000 saniert. ************************************************************************************************ Direkt gegenüber dem Borsighaus, in der Chausseestr. 125, arbeiteten und wohnten Bertolt Brecht (von 1953 - 1956) und Helene Weigel (von 1953 - 1971) ************************************************************************************************ |
|||||||||||||||||||
![]() |
|||||||||||||||||||
| Eisenbahnbrücke Ehrenbreitstein
Lokomotiv Montagehalle "Vollendungsarbeiten an einer Lokomotive" Im Deutschen Technikmuseum Berlin (SDTB) zu sehen: Zwei Gemälde von Paul Friedrich Meyerheim, die August Borsig für sein schlossähnliches Wohnhaus in Berlin-Moabit anfertigen ließ. Tradition und Fortschritt im Verkehr bringt der Maler in seinem Gemälde zum Ausdruck. Die Lokomotive und die Eisenbahnbrücke in Ehrenbreitstein (Koblenz) wurden in den Borsig-Werken hergestellt. Während die Postkutsche das traditionelle Verkehrsmittel darstellt, symbolisiert die Eisenbahn den technischen Fortschritt. Dieser Text stammt aus dem BORSIG-Video des Deutschen Technikmuseums Berlin. Hier befinden sich auch Bestände des Borsig-Archivs und sämtliche Jahrgänge der ehemaligen Borsig-Zeitung. www.sdtb.de Trebbiner Straße 9, in der Nähe U-Bahnstation Möckernbrücke.
|
|||||||||||||||||||
![]() Anton Egells August Borsig (*25.08.1788 / +30.07.1854) (*23.06.1804 / +06.07.1854) August Borsig wurde am 23. Juni 1804 als Handwerkerssohn im schlesischen Breslau geboren. Bis zu seinem 18. Lebensjahr ging er - seiner Neigung zu handwerklicher Arbeit nachgebend - bei einem Zimmermann in die Lehre. Er war dann Zimmermann und hatte eine Baufachschule absolviert. In Berlin nahm Borsig 1824 ein Studium am Berliner Gewerbeinstitut auf, das er jedoch bereits 1825 wieder beenden musste. Der Direktor für die Ausbildung von Maschinenbau-Ingenieuren, Peter Christoph Wilhelm Beuth, wollte die Segnungen der Anstalt nicht an einem Menschen verschwenden, der doch nie imstande sein werde, etwas zu leisten. Trotzdem stellte Franz Anton Egells, der Inhaber der damals bedeutendsten Berliner Maschinenbauanstalt, Borsig als Praktikanten ein. ****************************************************** Der junge Borsig trat in die Fabrik zunächst als Zeichner ein. Neben der Eisengießerei betrieb man in der Fabrik auch den Maschinenbau. Um alle Zweige desselben von Grund auf kennen zu lernen, wurde er ein schlichter Eisenarbeiter. So von der Pike auf dienend, machte er alle Grade dieses Gewerbes durch, bis er sich nach einigen Jahren zum Geschäftsführer emporarbeitete. Unter seiner Leitung nahm das Egellsche Institut großen Aufschwung, so dass ihm der Besitzer Vollmacht erteilte und ihn zum Mitdirektor ernannte. (aus dem Buch: Die Provinz Brandenburg - 1900 - Julius Klinkhardt Verlag) ****************************************************************************************** Zehn Jahre später, am 22. Juli 1837, gründete Borsig vor dem Oranienburger Tor neben dem Egellsschen seinen eigenen Betrieb, eine Maschinenbauanstalt und Eisengießerei. 1895-98 erfolgte der Umzug nach Tegel. ![]() Die erste, eigenständig entwickelte Konstruktion, eine dreiachsige Dampflokomotive mit einer Treibachse zwischen zwei Laufachsen, 1841 von August Borsig gebaut. Sie war ein Jahrzehnt der Prototyp aller schnellen deutschen Lokomotiven mit nur einer Treibachse. Die erste Maschine dieser Bauart bekam den Namen Beuth, mit der Fabrik-Nr.: 24. Hier auch im Deutschen Technikmuseum Berlin (SDTB) zu bestaunen (Rekonstruktion). Durch Sabotage an dieser Dampflok versuchte sich die Konkurrenz bei der Choriner Wettfahrt durchzusetzen. Die Manipulation an den Kolben in den Zylindern wurde jedoch durch einen Mitarbeiter Borsig´s rechtzeitig entdeckt und die Wettfahrt konnte siegreich gegenüber der englischen Konkurrentin, ein Stephenson-Modell, beendet werden. Damit war der Durchbruch zum erfolgreichsten Lokomotivbau in Europa geschafft. 1843 produzierten die BORSIG-Werke als erstes deutsches Unternehmen Lokomotiven in Serie. Nur 17 Jahre nach Gründung seines Unternehmens, im Jahr des Jubiläums zum Bau der 500. Lokomotive, verstarb am 6. Juli 1854 der Industriepionier, Geheime Kommerzienrat und "Preußens Lokomotivkönig" August Borsig auf dem Höhepunkt seines Lebenswerkes in Berlin. ![]() Das Grabmal von August Borsig, auf dem Dorotheenstädtischer Kirchhof in Berlin-Mitte, neben den Grabmälern von Christian Daniel Rauch und Friedrich August Stüler. Siehe auch im Archiv : Dorotheenstädtischer Kirchhof, oder hier klicken. Seine Firma entwickelte sich zur größten Lokomotivfabrik des europäischen Kontinents. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Albert die Leitung des Unternehmens - er verstarb 1878. Die Söhne von Albert Borsig - Arnold, Conrad und Ernst - führten nach ihrer Volljährigkeit ab 1894 die Borsig-Werke weiter. Sie begannen mit der Planung eines neuen Werkes und dem Umzug der alten Betriebe am Oranienburger Tor und Moabit auf ein Gelände in der Nähe des Dorfes Tegel, welches sowohl auf dem Wasserweg (Borsig-Hafen) als auch per Schiene zu erreichen war. 1898 fand die Einweihung der neuen Werksanlagen der Fa. A. Borsig in Berlin-Tegel statt. Herzlichen Dank an Herrn Deryck J.H. Ferrier M.Sc. aus Paramaribo/Surinam (Managing Director, Center for Economic and Social Scientific Studies), der meine Website im WWW gefunden und die folgenden zwei Fotos von 1942 mir im Januar 2005 zur Verfügung gestellt hat. ![]() Diese alten Fotos zeigen zwei von acht Borsig-Lokomotiven, welche 1905 in die ehem. holländische Kolonie Surinam (Holländisch Guyana) geliefert wurden und dort bis 1990 aktiv im Dienst standen! Heute die Republik Surinam, das kleinste
Land Südamerikas.1914 lag der Exportanteil bei 50 Prozent. Borsig exportierte nach Russland, Italien, Holland, Südamerika, innerhalb Europas ohnehin, bis nach Japan und in viele andere Länder. Die Britische Eisenbahngesellschaft kaufte zehn deutsche Lokomotiven von Borsig. Bis dahin gab es in Großbritannien, dem Ursprung der industriellen Revolution, keine ausländischen Lokomotiven. Kaufgrund: Die Deutschen waren billiger. ![]() BORSIG - Lokomotiv Montage ******************************************************************************************* ![]() 1840 baute August Borsig die erste deutsche Dampflokomotive, die "Borsig 1". ![]() 1858 wurde die 1.000ste Lokomotive ausgeliefert. 1872 war das Unternehmen , das von den Söhnen und Enkeln Borsigs weitergeführt wurde, in Europa der größte und weltweit der zweitgrößte Lokomotivenlieferant.
|
|||||||||||||||||||
| ******************************************************************************* 1926 wird das Unternehmen BORSIG in eine GmbH umgewandelt. Schon 1930 stand das Unternehmen kurz vor der Liquidierung, konnte aber 1931 durch eine Fusion mit der AEG gerettet werden. Der gesamte Lokomotivbau der Borsig-Werke in Tegel wurde 1935 in das Hennigsdorfer AEG-Werk bei Berlin verlagert. (nach der Wiedervereinigung 1990 die Bahnwerke "Bombardier Transportation") Als Tochtergesellschaft Borsig Lokomotiv-Werke GmbH wurde er bis 1944 dort fortgeführt. Die AEG hielt einen Anteil von 60 Prozent an dieser Gesellschaft, die Borsig OHG war mit 40 Prozent beteiligt. Nach dem II. Weltkrieg wurden bis 1954 noch ein paar wenige Dampflokomotiven gebaut. Zwischenzeitlich war am 1. März 1932 die Borsig-Betriebs-Gesellschaft mbH gegründet worden. Aus der Vergleichsmasse der ehemaligen A. Borsig GmbH war diese Neugründung als Auffanggesellschaft entstanden. Die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten gab das Signal, das Werk Borsig dem NS-Regime für die Kriegsproduktion zu unterstellen. Im April 1933 wurde ein Übernahme-Vertrag mit der Fa. Rheinmetall unterschrieben. Das neue Unternehmen firmierte als Tochtergesellschaft von Rheinmetall zunächst unter A. Borsig Maschinenbau AG. Im Dez. 1935 wurde die Umwandlung der Gesellschaft mit der Firmenbezeichnung Rheinmetall-Borsig AG beschlossen. Im Juli 1938 erfolgte die Überführung der Aktienmehrheit der Gesellschaft auf die Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten >Hermann Göring<. Der Ausbruch des II. Weltkrieges 1939 brachte Rheinmetall-Borsig zum ausgewiesenen Rüstungsbetrieb. Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben der Schwerindustrie, die während des II. Weltkrieges nahezu ausschließlich für die Rüstungsindustrie produziert hatten, war aber ein Teil der ehemaligen Rheinmetall-Borsig AG nach wie vor Maschinenbaufabrik geblieben und hatte auch nichtmilitärische Produkte hergestellt. Unter anderen hat ein schwerer amerikanischer Bombenangriff vom 18. März 1945 kurz vor Ende des II. Weltkrieges verheerenden Schaden angerichtet, so dass die Borsig Betriebsstätten zu 80 Prozent zerstört waren. In den ersten Nachkriegswochen folgten mehrere Werks-Demontagen durch die Sowjetische Besatzungsmacht, wobei vorhandene Werkzeugmaschinen und sonstige technische Einrichtungen als Kriegsbeute abtransportiert wurden. Auch das gesamte Zeichnungsarchiv wurde mitgenommen. Ab Juli 1945 beteiligten sich ehemalige Arbeiter und Angestellte an umfangreichen Aufräum- und Aufbauarbeiten, die freiwillig und meistens ohne Bezahlung ausgeführt wurden. Im August 1945 arbeiteten bereits wieder ca. 1.500 Menschen bei der Firma Borsig, welche als Reparaturbetrieb unter dem Namen Städtisches Werk Tegel GmbH geführt wurde. Am 27. Februar 1946 wurde auf Befehl der Französischen Besatzungsmacht eine neue Gesellschaft mit dem Namen Borsig Maschinenbau GmbH gegründet, die aber nicht zur Eintragung kam. Im August 1946 zog die Französische Militärregierung ihren Antrag zurück und das Werk wurde wieder unter der alten Firmenbezeichnung Rheinmetall-Borsig AG, Werk Borsig fortgeführt. Am 11. Nov. 1946 wurde das Tegeler Firmengelände von der französischen Militärpolizei besetzt. Im April 1947 begannen die Franzosen mit ersten Entlassungen - von ehemals 3.600 Menschen bis auf ca. 400 Arbeiter war die Borsig-Belegschaft nun arbeitslos geworden. Ab 1. Juli 1947 blieb die Firma Borsig vorerst stillgelegt. Eine erneute Demontage der Borsig-Werke erfolgte diesmal durch die Französische Besatzungsmacht. Die arbeitslose Borsig-Belegschaft gründete am 24. Juli 1947 eine Genossenschaft unter dem Namen "Alte Tegeler Maschinen-, Kessel- und Apparatebauer eGmbH" und mietete sich auf dem Gelände der Siemens-Kabelwerke in Gartenfeld ein. Ende 1949 waren die Produktionsstätten in Tegel noch funktionsfähig, die demontierten Maschinen und Werkzeuge standen zum Teil verpackt aber wieder einsatzbereit noch in Berlin, die ehemalige Borsig-Belegschaft wartete auf einen Neustart in den Tegeler Werken. 113 Jahre nach Gründung der Firma Borsig hatte das Tegeler Werk, jetzt endgültig von der Demontagegefahr befreit, seine Tätigkeit im Sinne der alten Borsig-Tradition wieder aufgenommen. Im April 1950 konnte Borsig mit einer Belegschaft von 700 Arbeitern und Angestellten die Produktion unter dem neuen Firmennamen Borsig AG in Berlin-Tegel Westsektor und Zweigniederlassung West in Gladbeck/Westfalen wieder aufnehmen. Im Jahre 1954 stellte die vom II. Weltkrieg arg gebeutelte Firma dann den Lokomotivbau ein. Insgesamt entstanden im Hause Borsig 16.352 Lokomotiven. Diese Zahlen berücksichtigen die 40 nach dem II. Weltkrieg in Hennigsdorf gebauten Dampflokomotiven, für die man die Borsig-Fabriknummernzählung weiterführte. Die letzte im Krieg vergebene Fabriknummer war die 16.312. Die Belegschaft wuchs zu dieser Zeit enorm, 1955 standen schon wieder 4.000 Mitarbeiter in Lohn und Brot (1960 ca. 6.000 Beschäftigte). 1956 wechselte wieder mal der Eigentümer, die AG für Berg und Hüttenwesen, später Salzgitter AG - Eigentum des Bundes, wurde der neue Besitzer. 1966 kamen aufgrund des DDR-Mauerbaus am 13. Aug. 1961 und der konjunkturellen Einbrüche Mitte der 60er Jahre die Borsig-Werke erneut in arge Schwierigkeiten. Die Staatshaushaltsprobleme, die unter anderem zum Rücktritt von Bundeskanzler Ludwig Erhard führten, brachten staatseigene unrentable Betriebe auf den Prüfstand. Für den Berliner Arbeitsmarkt war auch damals schon das Überleben von Borsig in Tegel, als einen der größten Arbeitgeber im Westteil der Stadt, von besonderer Bedeutung. Also wurde das Tegeler Werk privatisiert - 1967 wurde die Borsig AG in eine GmbH umgewandelt und ging in den Besitz der neu gegründeten bundeseigenen Deutschen Industrieanlagen GmbH (DIAG) über, die 1968 mit der Teilprivatisierung von Borsig begann. Das Rohr- und Walzwerk in Tegel wurde inklusive Grundstück an die Thyssen-Gruppe verkauft. Im Okt. 1970 wurde die "Deutsche Babcock-Wilcox AG" in Oberhausen, die spätere "Deutsche Babcock AG" - dann "Babcock-Borsig AG" neuer Eigentümer der Borsig GmbH. Aufgrund der Insolvenz vom 4. Juli 2002 des "Mutterkonzerns" Babcock-Borsig AG in Oberhausen musste unter anderen auch die "Tochtergesellschaft" Borsig GmbH in Berlin-Tegel Folgeinsolvenz anmelden. Am 15. September 2002 das "Aus" für die "alte" Borsig GmbH. Ab 16. September 2002 Fortführung (Neugründung) der Borsig Industrieholding GmbH in Berlin-Tegel inklusive der Betriebsstätte in Gladbeck als unabhängiges Unternehmen mit stark reduzierter Produktpalette und nur noch ca. 260 Beschäftigte als Gesamtbelegschaft. ********************************************************************************** Hinweis zur Firma Bergmann-Borsig: Foto: ehem. Werkseingang von Bergmann-Borsig nach dem Mauerfall. Die ehemalige Fabrik für Turbinenbau bzw. der Betrieb für Kraftwerksanlagenbau in (Ost-)Berlin-Pankow (Wilhelmsruh) - der VEB Bergmann-Borsig, hatte nichts mit dem Firmengründer August Borsig und auch nichts mit dem Bergbau zu tun. Zu "DDR" Zeiten war es wahrscheinlich das best bewachte Werksgelände in Europa. Das Fabrikgelände hat die Form eines Dreiecks, wobei zwei lange Schenkel die direkte Grenze zu West-Berlin bildeten. Neben den Facharbeitern und Angestellten des Werkes waren auch viel Polizei und NVA-Soldaten als Bewachungsorgane und Fluchtverhinderer der "DDR" für dieses Fabrikgelände im Einsatz. - 1907 von dem Firmengründer Sigmund Bergmann als Firma Bergmann AG auf einem 76.000 m² großen Gelände in dem Ort Wilhelmsruh gegründet - am 20. März 1991 als ABB Bergmann-Borsig GmbH (nach der Wiedervereinigung Deutschlands von ABB übernommen) - nach der Übernahme von Alstom - Alstom Power Service GmbH. Im II. Weltkrieg wie viele Firmen schwer zerstört, begann im Sommer 1945, nach umfangreichen Demontagen, die dortige Belegschaft ebenfalls mit selbsttätigen Aufräum- und Aufbauarbeiten. Die entscheidende Wende für die Bergmann Werke folgte 1948. Die Stilllegung der Borsigwerke in Tegel, die Demontagedrohung durch die Französische Besatzungsmacht und die Blockade der drei West-Sektoren Berlins durch die Sowjetische Besatzungsmacht gaben dem bis dahin unscheinbaren Nachkriegsbetrieb der Bergmann Werke im sowjetischen Sektor auf einmal starken Auftrieb. Durch die Betriebsstilllegung der Borsigwerke im West-Sektor galt es nun im Ost-Sektor Berlins, diesen Ausfall in kürzester Zeit wettzumachen und als Energieversorgungsbetrieb ebensoviel Kapazität wie Borsig auszubauen. Das Werk wurde unter großem Einsatz auf- und ausgebaut. Die Belegschaft wuchs von ehemals 450 auf 1.500 Mitarbeiter an. Auch von der ehemaligen Borsig-Belegschaft arbeiteten einige bei "Bergmann" und konnten so ihre Kenntnisse und Fertigkeiten anwenden. Allerdings wechselte nicht die gesamte Tegeler Borsig-Belegschaft nach Wilhelmsruh, wie es sich der "Volks Eigene Betrieb" (VEB) Bergmann erhofft hatte. Die Namensgebung "Bergmann-Borsig" stand also eher programmatisch für das Kräftemessen zwischen dem sowjetischen und westalliierten Berlin. Sie sollte die Stärke und den Triumph der Ost-Berliner Wirtschaft symbolisieren. In West-Berlin wurde der Fehdehandschuh aufgegriffen und kräftig gegen die Konkurrenz polemisiert. Auf einer öffentlichen Versammlung im West-Berliner Bezirk Reinickendorf, am 23. Nov. 1949, verkündete der damalige SPD-Vorsitzende Franz Neumann: "Borsig-Tegel wird früher funktionieren als das russische Plagiat (Diebstahl geistigen Eigentums) in Wilhelmsruh und es wird noch existieren, wenn von Bergmann-Borsig niemand mehr spricht." Anmerkung: Er hat nicht ganz Recht behalten, denn der Name Borsig GmbH in Berlin-Tegel war vielen nach der Wiedervereinigung nicht so geläufig als der von Bergmann-Borsig in Berlin-Wilhelmsruh. Jedoch hat tatsächlich ein kleiner Torso der ehemaligen Borsig-Werke in Tegel bisher überlebt. Die Firma (VEB) Bergmann-Borsig existiert heute leider nicht mehr, es wurden dort bis zu 3.500 Beschäftigte entlassen. Auf dem Gelände des ehemaligen VEB Bergmann-Borsig besteht heute die Alstom Power Service GmbH mit ca. 320 Beschäftigten und es entstand ein Gewerbegebiet mit einer Gesamtfläche von 280.000 qm, der PankowPark. Hier sind mehr als 80 Unternehmen angesiedelt, aber auch Künstlerateliers, Kleingewerbe und Kulturstätten sowie Ausbildungsbetriebe wie die BaFu Nord GmbH. Die Mitarbeiterzahl liegt insgesamt bei 1800. Dabei ist das wichtigste Unternehmen eine Fabrik zur Herstellung von Schienenfahrzeugen, die 1995 durch Adtranz neu gebaut worden war und heute zum Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail gehört. ************************************************************************************* Teilweise verwendete Literatur: Ulrike Wahlich, Die Borsig-Werke in Tegel. Heimatmuseum Reinickendorf - Jaron Verlag - ISBN 3-932202-55-4 ************************************************************************************* |
|||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||
|
Zur Website: Verlorener Kampf um unsere Arbeitsplätze bei der alten BORSIG GmbH in Berlin-Tegel |
|||||||||||||||||||
| ********************************************************************************
Berichte über die Babcock und BORSIG Misere: Aus Tageszeitungen von Februar 2002 bis ENDE 2003, hier anklicken. |
|||||||||||||||||||
******************************************************************************** |
|||||||||||||||||||
| Anfang März 2008 verkaufte die Beteiligungsgesellschaft "capiton AG" für 350 Mio. Euro BORSIG an den malaysischen Energiedienstleister KNM, eine malaysische Gesellschaft, die Apparate für die weltweite Öl- und Gasindustrie herstellt. |
|||||||||||||||||||
| Foto-Archiv
|
|||||||||||||||||||